Als Vera die Verwandten ihres Mannes aus dem Haus warf, verlangte ihr Mann, dass sie die Wohnung verlässt, doch ihre Reaktion brachte ihn in eine unmögliche Lage.

Als Wera die Familie ihres Mannes aus dem Haus warf, verlangte er, dass sie selbst die Wohnung verlässt – doch ihre Reaktion brachte ihn sofort wieder zur Räson.

Der leere Flur wirkte riesig. Die Hausschuhe der Schwiegermutter, die sonst immer mitten im Durchgang herumlagen, waren verschwunden.

Auch die Jacke der Schwägerin, die seit drei Monaten am Haken hing, weil Swieta meinte, „den eigenen Leuten“ stehe der Platz direkt am Eingang zu und Weras Mantel könne sich ruhig im Schrank zusammendrängen, war ebenfalls weg.

Wera stand in der Küche und sah zu, wie der Schaum in ihrer Kaffeetasse langsam zusammenfiel. In ihrer Brust breitete sich eine seltsame, fast beunruhigende Stille aus.

Ein halbes Jahr lang hatte sie in einem fremden Haus gelebt, obwohl diese Wände mit ihrem Geld gekauft worden waren. Ein halbes Jahr hatte sie alles ertragen, gelächelt, ihren Lohn abgegeben, ihr Bett, ihre Nerven. Und schließlich – war es genug.

Die Türklingel schrillte, fordernd und scharf. Wera zuckte nicht einmal. Sie stellte die Tasse auf den Tisch, richtete den Kragen ihres Hauspullovers und ging öffnen.

Im Türrahmen stand Igor. Sein Gesicht war gerötet, sein Atem kurz, und in seinen Augen lag eine Wut, wie sie sie selbst bei ihren schlimmsten Streits noch nie gesehen hatte.

Er trat ein, warf die Schlüssel auf die Kommode, ging ins Wohnzimmer und drehte sich abrupt um.

— Pack deine Sachen — sagte er dumpf. — Das ist meine Wohnung. Meine Familie hat dich rausgeworfen, du hast meine Familie rausgeworfen.

Wera ging ihm langsam hinterher, blieb im Türrahmen stehen und verschränkte die Arme vor der Brust.

— Deine Familie hat hier ein halbes Jahr gewohnt, Igor. Ein halbes Jahr habe ich sie ernährt, versorgt, hinter ihnen aufgeräumt, mir anhören müssen, wie deine Mutter mich als nichts bezeichnet und deine Schwester auf meiner Bettseite schläft, weil es ihr „bequemer“ ist.

— Wag es nicht! — schrie er und machte einen Schritt auf sie zu. — Meine Mutter ist eine ältere Frau! Meine Schwester zieht ein Kind allein groß! Wo sollten sie denn sonst sein, wenn nicht im Haus ihres Sohnes und Bruders?

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