Der Samstagmorgen begann wie eine Strafe. Larisa lag auf dem alten Sofa in ihrem ehemaligen Kinderzimmer und wagte sich nicht zu bewegen.
Jede Bewegung schoss wie glühender Stahl in ihren Lenden — Osteochondrose, die sie sich nach zwölf Jahren harter Arbeit vor dem Monitor verdient hatte, wollte diesen Monat endgültig zuschlagen.
Die Füße stießen gegen den Schrank, das Sofa war zu kurz für ihre Größe, und im angrenzenden Raum — dem Schlafzimmer mit Panoramafenstern und vor allem einem orthopädischen „Askona“-Matratzenbett für achtzigtausend Rubel, speziell für ihren kranken Rücken gekauft — schnarchte Tamara Fiodorowna.
— Ich brauche Platz, ich bin alt, mir ist heiß — hatte die Schwiegermutter vor einem Monat erklärt, als sie ihre Koffer auspackte. Larisa, im Geist von „Ältere respektieren“, hatte artig nachgegeben.
Die Tür öffnete sich ohne Klopfen. Tamara Fiodorowna stand im Türrahmen.
— Larisa! Wie lange willst du noch mit dem Kopf im Kissen liegen? Es ist schon zehn!
Larisa versuchte aufzustehen — schwarz wurde ihr vor Augen, ein Krampf jagte bis in den Nacken.
— Tamara Fiodorowna — flüsterte sie, die Schläfe massierend. — Heute ist frei… ich habe das Projekt bis drei Uhr morgens abgegeben, ich habe schreckliche Migräne…
Die Schwiegermutter schnaufte und drückte theatralisch die Hand auf ihre pralle Brust.
— Migräne haben nur Mädchen aus guten Häusern! Bei uns klebt der Boden. Ich habe schon Wasser ins Eimerchen gegossen, aber mich bücken kann ich nicht — mein Blutdruck schießt hoch! Hundertachtzig zu hundert!
Steh auf, wärme Kostkas Frühstück auf, der Junge ist wach, will essen.
Larisa schob sich zur Küche. „Der Junge“ war dreiunddreißig Jahre alt und schlief bis zum Mittag, während seine Frau, die dreimal so viel verdiente, mit dem Lappen über die Böden kroch.
Sie schrubbte den Boden in der Wohnung, die ihre Eltern gekauft hatten — per Hand, denn die Schwiegermutter sagte: „Mopp ist für faule Leute, der verteilt nur den Dreck.“
Und während Larisa, die die Zähne zusammenbiss, das Tuch auswrang, lag Tamara Fiodorowna auf ihrer orthopädischen Matratze und lachte laut über Fernsehwitze.
Dies war das erste Warnsignal. Aber Larisa — wie viele von uns — wollte es nicht sehen. Wir rechtfertigen Parasiten leicht: „Es ist doch meine Mutter“, „Ihr geht es schwer“.
Und Parasiten leben genau davon.
Drei Monate später war die Hölle Alltag, aber den Körper kann man nicht betrügen.
Sonntag, Apotheke.
Larisa stand an der Theke, das Rezept in der Hand. Der Neurologe war am Tag zuvor klar gewesen: „Entweder Sie beginnen sofort mit einer Injektionsserie, oder nächste Woche lege ich Sie ins Krankenhaus wegen Nervenkompression.“
Die Packung „Chondrogard“ kostete fünftausend Rubel — teuer, aber ihr Rücken brannte wie Feuer, jeder Schritt war ein dumpfer Schmerz im Bein.
Das Handy vibrierte in der Tasche. Auf dem Display: „Liebling“.
— Lar, bist du im Laden? — Konstantins Stimme war energisch, fordernd. — Hör zu, es gibt was. Mama hat nächste Woche Jubiläum, will ein richtiges Fest geben, Freundinnen einladen.
— Ich erinnere mich — antwortete Larisa müde. — Ich backe einen Kuchen.
— Welchen Kuchen? — ihr Mann schnalzte genervt. — Mama will einen „prachtvollen“ Tisch, kein Scham vor Tante Gala.
Schreib auf: drei Gläser roter Kaviar, Forelle oder Lachs, gute Käse — die mit Schimmel — und Cognac. Mama sagt, ein „Ararat“ Fünf-Sterne reicht, oder irgendeinen französischen.
Larisa erstarrte, rechnete schnell: Kaviar, teure Fische, Alkohol für Rentnerfreundinnen… mindestens zwanzigtausend Rubel.
— Kostja, ich habe kein freies Geld. Ich bin in der Apotheke, muss Medikamente kaufen, mein Rücken macht nicht mit, ich kann kaum gehen…
— Lar, fangst du schon wieder an? — Seine Stimme verhärtete sich, ein Hauch von Manipulation. — Bist du egoistisch? Mama hilft uns, führt den Haushalt, kocht, putzt, während du arbeitest! Und dir sind die Kosten für sie zu hoch?
— Nicht zu hoch. Es tut nur weh.
— Beginne die Behandlung auf Vorschuss! Eine Woche hältst du durch, du wirst nicht zusammenbrechen. Das Jubiläum ist ein Fest. Lass mich nicht blamieren vor Mama mit leerem Tisch. Ich bin schließlich das Familienoberhaupt, und ich sage, das Fest muss stattfinden!
Das „Familienoberhaupt“, das achtzigtausend verdiente und es für eigene Launen und Benzin ausgab, verlangte ein Bankett auf Kosten ihrer Gesundheit.
Larisa sah auf die Ampullenbox, dann auf ihr Spiegelbild in der Scheibe — graues Gesicht, Schatten unter den Augen, alter Daunenmantel, der die vierte Saison getragen wurde.
Im Hals stand ein Kloß, aber die Gewohnheit, das „brave Mädchen“ zu sein, funktionierte wie ein Automat. Sie legte das Medikament zurück ins Regal.
Eine Stunde später, Supermarkt.
Glas Kaviar — 1.500 Rubel, drei Stück.
Cognac „Ararat“ — 3.200.
Marmorsteaks, weil Kostja Fleisch liebt — 2.800.
Käse, Wurst, Delikatessen.
Und am Ende — Ibuprofen, 150 Rubel.
— Zwanzigtausendvierhundert Rubel bitte — sagte die Kassiererin.
Larisa hielt die Karte hin. Sie tauschte gerade die Chance, schmerzfrei zu gehen, gegen die Möglichkeit, dass die Schwiegermutter vor Freundinnen prahlen konnte.
Das Jubiläum „gelang hervorragend“. Tamara Fiodorowna strahlte in ihrem neuen Kleid — selbstverständlich auf Kosten ihres Sohnes, der „das Geld von Larisa geliehen“ hatte.

Larisa, vollgepackt mit Ibuprofen, rannte zwischen Küche und Salon, wechselte Teller.
— Oh, Tamaro! — schwärmte Tante Gala, dick Kaviar auf das Brot schmierend. — Wie großartig ihr hier wohnt! Wohnung wie ein Palast! Deine?
Im Raum senkte sich Stille. Larisa erstarrte in der Tür mit dem Tablett schmutziger Teller. Tamara Fiodorowna, gerötet vom Cognac, erklärte laut, dass alle es hören sollten:
— Natürlich Kostjas! Er ist der Ernährer, Mann, Hausherr! Wir wohnen hier, ich helfe ihm, den Haushalt zu führen.
— Und die Schwiegertochter? — fragte Gala, auf Larisa schielend.
Tamara winkte ab.
— Larisa… nun, sie wohnt bei uns, bis sie Kinder hat. Charakter schwer, Einzelgängerin, ständig sauer, aber ich erziehe sie geduldig. Frauen sollen sanft sein, und diese…
„Wohnt bei uns“.
Im Apartment ihrer Eltern, wo sie selbst Rechnungen, Lebensmittel und den verfluchten Cognac bezahlte, wurde sie als Parasit mit schwerem Charakter bezeichnet.
Larisa drehte sich stumm um und ging zurück in die Küche. Das Tablett klatschte auf den Tisch. Geduld zerbrach.
